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Veras Geschichte

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Vera Lengsfeld, Bürgerrechtlerin

Es wird immer mal wieder beklagt, dass die Bürgerrechtler der ehemaligen DDR heute kaum noch eine Rolle im öffentlichen Leben spielen. Ihre Namen sind weitgehend vergessen.

Das Jahr 2009, in dem der 20. Jahrestag des Mauerfalls begangen wird, ist ein guter Anlass, sich zu erinnern.

Vera Lengsfeld gehörte zu den Mitbegründern eines der ersten Bürgerrechtskreise , die sich seit Beginn der 80er Jahre in den Räumen der Evangelischen Kirche bildeten. Mit dem Machtantritt von Erich Honecker, der als eine der ersten Amtshandlungen mit der Evangelischen Kirche einen Pakt schloss, dass die Kirche anerkennt, Kirche im Sozialismus zu sein und dafür die Autonomie über ihre eigenen Räume garantiert bekam, war ein Freiraum entstanden, den die Bürgerrechtler nutzen konnten. In kirchlichen Räumen durfte die Staatsmacht keine Versammlungen auflösen, keine Veranstaltungen absagen, keine Ausstellungen abbauen, keine Verhaftungen vornehmen. Solange eine Kirchgemeinde bereit war, entsprechende Aktivitäten zu tolerieren, hatten die Bürgerrechtler die Möglichkeit, ihre Aktionen zu entwickeln.

Anfangs wandte man sich vor allem gegen die Pläne der Sowjetmacht, Atomraketen auf dem Territorium der DDR zu stationieren. Bald kamen andere Themen dazu. Vera Lengsfeld gründete schon 1982 als Untergruppe ihres Pankower Friedenskreises eine Umweltgruppe, die sich alle 14 Tage, später jede Woche in ihrer Wohnung traf und Aktivitäten gegen die Umweltverschmutzung in der DDR plante. Heute ist fast in Vergessenheit geraten, dass die DDR das umweltverschmutzteste Land in Mitteleuropa war. Sie hatte die höchste Luftverschmutzung. Im berüchtigten Halle-Bitterfelder Industriegebiet war die Verschmutzung so aggressiv, dass es vorüberfahrenden Reisenden in geschlossenen Zugabteilen die Tränen in die Augen trieb. Um die 90% der fließenden Oberflächengewässer war biologisch tot. Das Grundwasser, besonders in ländlichen Gebieten, war so nitratverseucht, dass es für die Zubereitung für Babynahrung nicht genommen werden durfte.

Die DDR-Führung reagierte darauf mit Verboten. Ab 1982 wurde das Sammeln und Verbreiten von Umweltdaten unter Strafe gestellt. Trotzdem entwickelte Vera Lengsfeld mit ihrer Gruppe eine Wanderausstellung zum Thema Umweltverschmutzung, die in mehreren Kirchen der DDR gezeigt wurde. Vera Lengsfeld wurde später Mitbegründerin der Umweltbibliothek in Ostberlin, schrieb regelmäßig für die „Umweltblätter“ und organisierte bis 1988 alle Großen Umweltseminare, die in der DDR stattfanden mit.

Ihre Aktivitäten wurden natürlich von der Staatssicherheit genauestens beobachtet. Sie erhielt 1983 Berufsverbot und durfte die DDR auch nicht mehr in Richtung der Sozialistischen Länder verlassen. Für Vera Lengsfeld waren diese Repressalien Anlass, sich systematisch mit den Menschrechtsverletzungen des SED-Regimes zu befassen. Sie gründete gemeinsam mir anderen Betroffenen eine Berufsverbots-Gruppe, die begann, systematisch die Praxis des Politischen Berufsverbotes in der DDR zu untersuchen. Diese Arbeit mündete in der Organisation des ersten Menschenrechtsseminars, das in der DDR bis dahin stattgefunden hatte.

Während der 80er Jahre breitete sich die Arbeit der Bürgerrechtsgruppen immer mehr aus.

Am Ende des Jahrzehnts gab es mehr als 3000 aktive Bürgerrechtler, die in mehr als 100 Gruppen im ganzen Land organisiert waren. Im Jahre 1987 setzten diese Gruppen durch, dass sie sich anlässlich des so genannten Olof-Palme-Friedensmarsches, der damals in allen Ländern organisiert wurde, die von der Stationierung von Atomraketen betroffen waren, mit eigenen Plakaten in der Öffentlichkeit zeigen konnten. Mehr noch als die Tatsache, dass über mehrere Wochen Forderungen wie „Freie Kontakte von Ost nach West“, „Keine Feindbilder in Schule und Kindergarten“ öffentlich gezeigt werden konnten, wog die überaus positive Reaktion der DDR-Bürger auf diese unerhörte neue Freiheit.

Für die Staatssicherheit war das der letzte Anlass, die Bürgerrechtsbewegung zu zerschlagen.

Sie plante eine Massenverhaftung aller führenden Bürgerrechtler, in der Hoffnung, dass danach niemand mehr den Mut haben würde, mit dieser Arbeit fortzufahren. Den Vorwand für diese Massenverhaftung bot der Entschluss einiger Bürgerrechtler, auch der von Vera Lengsfeld, sich künftig bei staatlich organisierten Demonstrationen mit eigenen Plakaten zu zeigen. So ging sie am 17. Januar 1988 zur jährlich stattfindenden Demonstration zu Ehren von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Auf ihrem Transparent stand: „Jeder Bürger der DDR hat das Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern“ Das war der erste Satz von Artikel 27 der Verfassung der DDR. Sie wurde gemeinsam mit über 100 anderen Bürgerrechtlern verhaftet, ins Stasigefängnis Hohenschönhausen gebracht und im Schnellverfahren zu 6 Monaten Gefängnis wegen „Versuchter Zusammenrottung“ verurteilt.

Darüber hinaus plante die Staatsicherheit Hochverratsprozesse gegen die verhafteten führenden Bürgerrechtler. Dazu sollte es nicht kommen. Die Proteste gegen die Verhaftung der Bürgerrechtler rissen nicht ab, im Gegenteil, sie weiteten sich über das ganze Land aus. Zum Schluss fanden in mehr als 30 Städten und Gemeinden der DDR allabendlich Protestveranstaltungen statt. Die Westpresse berichtete, so lange, bis Staatschef Honecker gezwungen war, eine Pressekonferenz zu geben, auf der er versprach, bis zu einem bestimmten Datum alle inhaftierten Bürgerrechtler freizulassen. Allerdings wurden alle in den Westen abgeschoben. Vera Lengsfeld ging nach England, studierte an der Universität Cambridge Philosophy of Religion.

Am Morgen des 9. November kehrte sie in die DDR zurück, erlebte am Abend den Mauerfall an der Bornholmer Straße mit und nahm wieder aktiv an den politischen Geschehnissen des Landes teil. Sie war Mitglied der Verfassungskommission des Runden Tisches, Spitzenkandidatin der Grünen Partei der DDR bei den ersten und letzten freien Volkskammerwahlen, danach 16 Jahre Mitglied des Deutschen Bundestages, bis 1996 für Bündnis 90/ Die Grünen, dann für die CDU. Seit 2005 lebt Vera Lengsfeld als freischaffende Autorin in Berlin. Sie wurde 2008 mit dem Bundesverdienstorden geehrt

Sie kandidiert wieder für den nächsten Bundestag im Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost für die CDU.

Das Blog http://www.wählt-vera.de ist das Wahlblog von Vera Lengsfeld. Unter dem Motto Wählt Vera Lengsfeld trägt dieses Blog https://waehltvera.wordpress.com Gedanken, Erfahrungen und Argumente zur Bundestagswahl 2009 zusammen. Ziel: Vera Lengsfeld soll als Kandidatin der CDU im Bundestagswahlkreis 084 am 27. September 2009 das Direktmandat für den Bundestag erringen. Der Wahlkreis 084 umfasst den gesamten Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und den Stimmbezirk Prenzlauer Berg-Ost.

2 Antworten to 'Veras Geschichte'

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  1. RedHead said,

    Interessant, dass eine ehemalige „Bürgerrechtlerin“ heute in einer Partei aktiv ist, welche die Bürgerrechte mit Füßen tritt und einen umfassenden Repressions- und Überwachungsapperat aufbauen will und den Plan auch schon teilweise umgesetzt hat.


  2. @RedHead
    Redhead, können Sie einen Beleg für Ihre Behauptungen liefern? Wen oder was meinen Sie mit Repressions- und Überwachungsapparat? Fühlen Sie sich überwacht oder unterdrückt? Welche Firmen meinen Sie?


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