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Sein Weg zur Freiheit: Hamed Abdel-Samad

Posted in 1 von waehltvera - 10. September 2009

Hamed_416OPbYyHQL._SL500_AA240_„Wenige Meter von hier endeten meine Wege.“  So Bundeskanzlerin Merkel bei der 50-Jahr-Feier für die Römischen Verträge. Sie stand vor dem Brandenburger Tor.  „Ich habe mein Land verlassen, um in Freiheit leben zu können.“  So der heute in Deutschland lebende Ägypter Hamed Abdel-Samad. „Freiheit ist das Wichtigste im menschlichen Leben.“ So Vera Lengsfeld in ihrem Buch „Mein Weg zur Freiheit“.

Angela Merkel, Hamed Abdel-Samad, Vera Lengsfeld: alle drei haben einen starken, einen emphatischen Begriff von Freiheit. Sie vertreten ihn glaubwürdig. Denn sie haben in Staaten gelebt, in denen Unfreiheit, Ungerechtigkeit und Ungleichheit in höchstem Maße herrschten. Sie wissen: Die Ungerechtigkeit ist die Tochter der Unfreiheit. Mangel an Freiheit führt zu Ungerechtigkeit. Ungerechtigkeit wiederum führt zu höchster Ungleichheit.

Angela Merkel, Vera Lengsfeld, Hamed Abdel-Samad: Sie können uns besser als viele andere davon erzählen, was Freiheit bedeutet. Denn sie haben Unfreiheit erfahren. Wir Söhne und Töchter der Bundesrepublik Deutschland, die nach 1949 geboren sind, haben wenig Erfahrungen mit Unfreiheit. Und deshalb ist unser Freiheitsbegriff verkümmert. Was sagt Abdel-Samad dazu? Er erzählt über seine ersten Erfahrungen in der Bundesrepublik Deutschland:

“Von Freiheit war nur im Zusammenhang mit Sexualität oder Konsum die Rede. Freiheit schien die Möglichkeit der Wahl zwischen Cola und Cola Light zu sein.

Die Gesellschaft übte einen ungeheuren Zwang auf die Bürger aus: Kein Zwang der Gebote, sondern der Angebote. Und so habe ich wirklich freie Menschen im Land von Nietzsche nur selten getroffen. Die meisten sind gleichgültige Gestalten, die erschreckend wenig über die Welt wissen, obwohl die Deutschen Weltmeister im Reisen sind. Gleichgültigkeit schien sich krebsartig in der satten Gesellschaft breitgemacht zu haben. […] Nachdem sie zwei Weltkriege ausgelöst und fast sechs Millionen Juden ermordet hatten, entdeckten die Deutschen ihre Leidenschaft für den Umweltschutz, wollten den Regenwald retten und für die Menschenrechte in der dritten Welt und in China eintreten.”

Ich meine: Hamed Abdel-Samad selbst macht es sich nicht so einfach wie wir. Eintreten für Naturschutz, gegen Atomkraft demonstrieren, das ist alles leicht, das ist bequem. Denn wir haben die Freiheit, das zu tun oder auch nicht zu tun. Tausende tun das und verschaffen sich ein gutes Gewissen. Aber sich um die Geschichte auch nur eines arabischen Jungen zu kümmern, der bei uns um die Ecke lebt, der neben dem eigenen Sohn in der Klasse sitzt, etwa in der Kreuzberger Fanny-Hensel-Grundschule sitzt und dich fragt: „Wann kommt ihr uns besuchen?“  – das ist schon schwieriger. Aber ich meine: Es ist wichtiger. Es spielt keine Rolle, ob der Junge aus Libanon, aus Ägypten oder aus Afghanistan stammt.  Getrennte Welten – nur scheinbar vereint, nach Freiheit dürstend!

Dieses Buch „Mein Abschied vom Himmel“ ist ein Schlag der Befreiung. Ein Sturmwind aus der Wüste. Eine echte Erweckungsgeschichte. Es wird eine ganze Bibliothek von gutgemeinter, aber wirkungsloser Migrations- und Integrationsforschung in einem anderen Licht erscheinen lassen. Leute, lest das! Euch werden die Augen übergehen! Und dann:  Schickt eure Kinder in die staatlichen Grundschulen Kreuzbergs. Fragt. Hört. Lasst euch erzählen. Bitte.

Ein Beitrag von Johannes Hampel, Kreuzberg

Hamed Abdel-Samad: Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland. Fackelträger Verlag, Köln 2009, 312 Seiten. Zitat: S. 41

Weitere Zitate entommen aus:

Rede der Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, der Vorsitzenden des Europäischen Rates, Dr. Angela Merkel, beim Festakt zur Feier des 50. Jahrestages der Unterzeichnung der „Römischen Verträge“

Henryk M. Broder: Verfluchte Freiheit. In: Der Spiegel, 36/2009, S. 138-139

Vera Lengsfeld: Mein Weg zur Freiheit, 2. Aufl. München 2007, S. 387

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