Waehltverablog


Ströbele der Pharisäer. Nach der Podiumsdiskussion legt er sein Fahrrad in den Kofferraum und fährt mit dem Auto davon

Posted in 1 von waehltvera - 4. September 2009

Gestern Abend in der Zwingli-Kirche. Wieder einmal Podiumsdiskussion aller Direktkandidaten von Friedrichshain- Kreuzberg für den Bundestag. Ströbele fährt wie immer mit dem Rad vor und schließt es demonstrativ vor der Kirchentür an. Eingeladen hat diesmal der Verein KulturRaum Zwingli-Kirche, der dem 1908 geweihten Gotteshaus als Kulturstätte erfolgreich neues Leben einhaucht. Die von Tissy Bruns moderierte Diskussion verlief ziemlich kurzweilig, zumal das Publikum sehr bald mitreden durfte, wovon es kräftig Gebrauch machte. Nicht sehr zur Freude von Amtsinhaber Ströbele, der doppelt so lang reden durfte, wie seine Konkurrenten. Bruns war nachsichtig mit ihm, weil es ihm so schwer gelang, auf den Punkt zu kommen. Auch wurde er immer wieder unterbrochen von einem ehemaligen Mitstreiter, der Ströbeles gewundene Ausführungen zur Mediaspree- Problematik lautstark mit: „Pharisäer! Christian, Du redest nach dem Motto: links blinken, aber rechts überholen!“ Überhaupt war der Frust über die rot-rot-grüne Politik in der Stadt und im Bezirk so stark, dass bei einem überwiegend linken Publikum nicht die schwarz-gelben Kandidaten die Buhmänner waren, sondern die  der linken Parteien. Christian, Björn und Halina mussten sich immer wieder anhören, wie weit die wirkliche Politik von den Ansprüchen ihrer Parteien entfernt ist. Eine ganz neue Erfahrung! Wenn ich nicht durch mein Eintreten für die sichersten Kernkraftwerke der Welt Protest hervorgerufen hätte, wäre ich bis zum Schluss unbehelligt geblieben. Am Schluss kam noch eine Frage: Was die Kandidaten zum Problem der rechten Gewalt im Bezirk zu sagen hätten? Nanu, fehlt da nicht was?

Halina  und Björn forderten mehr Geld für die Initiativen gegen „rechts“. Christian desgleichen. Außerdem berichtete er von einer Demo gegen „rechts“, an der er teilgenommen hatte. Na, da konnte ich auch etwas beitragen. Ich erzählte von unseren Erfahrungen auf eben jener Demo, wo unsere Plakate „Keine Gewalt“ zerrissen und wir vom Veranstalter zu unerwünschten Personen erklärt wurden. Außerdem wies ich darauf hin, dass der Bezirk wohl ein noch größeres Problem mit der linksextremistischen Gewalt hat. Die nächtens angezündeten Autos, Brandsätze auf Menschen während der „Revolutionären 1. Mai-Demo… Unmutsäußerungen im Publikum. Ich insistiere: es wird wohl niemand abstreiten wollen, dass es diese Probleme gäbe? Und: „Für mich ist Engagement gegen rechtsradikale Gewalt nur glaubwürdig, wenn auch linksradikale Gewalt geächtet wird. Die einzige Antwort auf Gewalt kann nur :Keine Gewalt! sein.“ Ein paar Leute klatschen. Freilich lange nicht so viele , wie bei Björn, als der zum Kampf „gegen Faschismus“ aufruft und damit alle Italiener beleidigt, denn die haben ihre Faschisten längst besiegt. In Deutschland haben wir es mit Nazis, Nationalsozialisten, zu tun. Diese Wahrheit ist das erste Gebot im Kampf gegen Rechtsextremismus.

Nach der Veranstaltung gehe ich noch eine Runde um den Block, um die schöne Nacht zu genießen. Als ich mich meinem Auto nähere, das ein paar Straßen von der Kirche entfernt geparkt war, sehe ich Ströbele Fahrrad schiebend mit einer rothaarigen Dame auf einen dunkelblauen VW  mit extra großer Ladefläche zusteuern. Das symbolträchtige Fahrrad wird im Auto verstaut und ab geht die Fahrt. Links blinken und rechts überholen. Quod erat demonstrandum.

14 Antworten to 'Ströbele der Pharisäer. Nach der Podiumsdiskussion legt er sein Fahrrad in den Kofferraum und fährt mit dem Auto davon'

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  1. x-berg said,

    Tja, wie sagt man Wasser predigen und Wein saufen.
    Manche sind gleich andere gleicher.


    • @x-bergs
      Seh ich lockerer. Ströbele ist Autofahrer, war immer Autofahrer und wird es immer bleiben. Das leugnet er ja auch nicht. Er war schon in den 70er Jahren oft der einzige, der mit dem PKW Stullen zur Demo brachte.
      Das Fahrrad ist nur ein Marketing-Attribut. Es gehört unverrückbar zum Geschäftsmodell wie der rote Schal oder die proletarischen Klamotten. Ein staatsgetragener Mann mit 8000.- Euro Monatseinkommen muss sich erkennbar halten. Diese Selbstvermarktungsstrategie funktioniert und ernährt den Mann. Kompliment. Ich würde mich darüber nicht aufregen.


  2. “ In Deutschland haben wir es mit Nazis, Nationalsozialisten, zu tun. Diese Wahrheit ist das erste Gebot im Kampf gegen Rechtsextremismus.!“

    Damit haben Sie allerdings Recht!


  3. Liebe Frau Lengsfeld, nun mobben Sie aber bitte nicht Ihre Kontrahenten. Faschismus ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Synonym für „Rechtsextremismus“, „Rassismus“ etc. Die Italiener haben ihren Faschismus besiegt? Was ist bitte die Lega Nord?

  4. pharisaer said,

    Das kommt einem doch bekannt vor: http://www.mark.linkeblogs.de/2007/09/03/christian-strobele-grune-nicht-regenfest/comment-page-1/

  5. Bernd Karbuweit said,

    „Außerdem wies ich darauf hin, dass der Bezirk wohl ein noch größeres Problem mit der linksextremistischen Gewalt hat.“

    Sie haben leider noch nicht so viele Erfahrungen mit dem Bezirk, den Sie angeblich vertreten wollen. Regelmäßig von Rechten halbtot geschlagene Menschen am Ostkreuz und an der Frankfurter Allee sind für Sie ein kleineres Problem als ein paar von mutmaßlichen Linken angeschmorte Autos?

    Gut, dass Sie eine Freundin der klaren Worte sind – da weiß jeder, was er von Ihnen zu halten hat!

    • x-berg said,

      Fein, fein ein paar angeschmorte Autos ein paar verletzte Polizisten die dazu gestellten geilen Videos in Blogs und auf dem rechten Auge sehen und auf dem linken Auge blind sein.
      Lösung: die Ächtung jeglicher Gewalt
      Im übrigen komme ich aus Kreuzberg und die erlebnisorientierten Randale Vollidioten ohne politische Motivaton (wissen noch nicht einmal was der 1. Mai bedeutet) kotzen mich gehörig an, ebenso die hirnverbrannten Nazis die sich stadtweit austoben, jedoch im Vergleich im östlichen Teil unserer Stadt wüten.
      Einiges scheint bei Ihnen tief blicken zu lassen oder halten sie das hier für Spass..für Anwohner, Kinder die aus dem Fenster blicken, Touristen die glauben das sei normal…?
      Keine Gewalt

    • magtec said,

      Hallo Herr Karbuweit,
      leider zieht Ihr Argument, Vera Lengsfeld hätte nicht genug Erfahrung mit Kreuzberg nicht, denn ich muß leider ihre Einschätzung bestätigen. Ich habe fünf Jahre in Kreuzberg gelebt und das war nicht immer lustig. Man mag sich an quantifizierenden Einschätzungen wie „noch größeres Problem“ stören, denn wie sollen brennende Autos z.B. mit verletzten Menschen verrechnet werden, wobei zu bedenken ist, daß PolizistInnen auch Menschen sind. Aber im Kern hat Frau Lengsfeld recht, und es gibt in der Tat nur eine vernünftige Haltung, nämlich „keine Gewalt“, d.h. die Ablehung j e d e r politischen Gewalt. Im Übrigens ist das ganze Rechts-Links-Schema reichlich überholt und bringt nix: Oder was sollen wir davon halten, daß Mussolini mit Lenin befreundet und als Sozialist in der Internationale engagiert war? Und das ist nur ein Beispiel von vielen…

  6. André S. said,

    Geschätzte Frau Lengsfeld,

    das der gute Mann nicht mehr so weite Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen kann mag vielleicht auch an seinen doch mittlerweile betagten Alter liegen. Hier sollte man vielleicht auch etwas Milde walten lassen ;o)

    Seien wir doch froh darüber, das dieser Mann nicht auch noch Dekoltee zeigt^^

    In diesem Sinne
    Beste Grüße

  7. Vlado K. said,

    Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten.
    …linksextrem ,rechtsradikal beides zeigt nur die hässliche Fratze des Menschen.

  8. Jan Klausen said,

    nur ein kommentar: die hier überall als neu bezeichneten fotos sind 2jahre alt

    http://dobschat.de/2007/09/03/strbele-ein-sonnenschein-ko/

  9. Lupo said,

    @Jan Klausen:

    Dass die Fotos 2 Jahre alt sind zeigt deutlich, wie sehr die sogenannte „kritische Öffentlichkeit“ und vor allem die „kritischen“ Medien auf dem linken Auge bzw. auf dem „Auge Ströbele“ blind sind. Ströbele kann offensichtlich über JAHRE hinweg nahezu ungestöhrt sein Image pflegen (Wasser predigen und Weis saufen, wie es oben so trefflich heißt) und ein Wahlplakat, auf dem Ströbele in Pose und Schal eines MASSENMÖRDERS, der Andersdenkende und Schwule in Lager steckte und seine Gegner persönlich per Genickschuss niederstreckte, hängt wochenlang unkommentiert in den Straßen Kreuzbergs und Friedrichshains.

  10. Volker Lee said,

    Die CDU wünscht sich doch sicher insgeheim, dass der alte Sack Ströbele seinen Wahlkampf vom Fahrrad bestreiten muss….nicht wahr?

  11. x-berg said,

    Wieso muss er doch nicht hat doch sein Auto!!!!
    Und es sei ihm gegönnt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


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