Waehltverablog


Seit wann ist Freiheit irritierend?

Posted in 1 von waehltvera - 27. August 2009

Angeblich sorge ich schon wieder für „Wirbel“, diesmal mit dem Motto meines Buches „Neustart“, das seit drei Jahren auf der Startseite meiner Homepage steht. Hier bekenne ich mich unmissverständlich zu Freiheit als dem höchsten Wert, gefolgt von Fairness, die ich über Gleichheit und Gerechtigkeit stelle. In meinem Buch begründe ich das ausführlich. Was ist daran skandalös, oder gar grundgesetzfeindlich, wie ein paar ganz eifrige Meinungswächter ausgemacht haben wollen? Letztere können das Grundgesetz nicht gelesen zu haben, sonst wüssten sie , dass unmittelbar nach Artikel 1 gleich drei Artikel folgen, die Freiheitsrechte garantieren. Im Artikel 2 die persönlichen Freiheitsrechte, im Artikel 4 die Glaubens- und Gewissensfreiheit und Artikel 5 die Freiheit der Meinung, Kunst und Wissenschaft. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Eltern des Grundgesetzes die Freiheit als den höchsten Wert betrachtet haben. Kein anderer der von mir angesprochenen Begriffe nimmt im GG einen so breiten Raum ein. Die Gleichheit wird im Artikel 3 als „Gleichheit vor dem Gesetz“ definiert, im Artikel 1 werden die „unveräußerlichen Menschenrechte“ als „Grundlage… jeder menschlichen Gemeinschaft … und der Gerechtigkeit in der Welt“ bezeichnet. Mit anderen Worten, nicht Gerechtigkeit ist die Grundlage unseres Staatswesens, sondern Freiheit und Menschenrechte, ohne die es weder Gleichheit vor dem Gesetz noch Gerechtigkeit geben kann. Ist die Gewichtung des Grundgesetzes ein Skandal? Natürlich nicht. Warum wirkt mein Spruch dann auf manche Leute so provokativ? Das hat etwas mit der Debattenkultur oder besser Unkultur unseres Landes zu tun. Statt Argumente auszutauschen und im Für und Wider eines Meinungsstreites zu neuen Erkenntnissen zu kommen, scheint es einigen Leuten nur noch darum zu gehen, mit in der Manier Pawlowscher Reflexe eingesetzten Totschlagargumenten den politischen Gegner, oder was man dafür hält, mundtot zu machen. Deshalb werden kaum noch Debatten geführt. Die Kunst des Zuhörens, Abwägens, Vergleichens, an deren Ende erst das Werten steht, ist abgelöst durch das schnelle Urteil, das allzu oft eine Verurteilung ist, die sich später als unbegründet herausstellt.

Das Gute an dem neuen „Wirbel“ ist, dass es endlich um Inhalte geht und nicht um Geschmacksfagen, über die man nicht streiten kann. Ab sofort gibt es in schneller Folge Texte zu verschiedenen kontroversen Themen. Freut euch schon auf den Beitrag: “Warum wir mehr Freiheit statt mehr Gerechtigkeit brauchen“

Advertisements

4 Antworten to 'Seit wann ist Freiheit irritierend?'

Subscribe to comments with RSS oder TrackBack to 'Seit wann ist Freiheit irritierend?'.

  1. padua said,

    Mal eine Frage, wisst ihr eigentlich, das es verschiedene Arten von Freiheit gibt? Frau Lengsfeld und die CDU scheinen ja unter Freiheit nur die sog. „negative Freiheit“ zu verstehen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Freiheit#Definitionen_von_Freiheit

  2. waehltvera said,

    Nein, wir wussten es natürlich nicht! Danke für den Hinweis! Was verstehen Sie unter Freiheit? Wann fühlen Sie sich frei?

    • padua said,

      Ich bevorzuge dann doch die positive Freiheit, denn was nutzt mir eine Möglichkeit die ich theoretisch habe, wenn ich sie mir nicht leisten kann? Anschauliches Beispiel, die Reisefreiheit. Diese nützt mir herzlich wenig, wenn ich mir einen Urlaub nicht leisten kann.

      Ähnlich verhält es sich mit der Meinungsfreiheit. Ich kann zwar alles sagen aber wer hört mir denn schon zu? Ganz anders wäre es, wenn ich eine Anzeigenkampagne in allen großen Tageszeitungen schalten könnte.

      Leider ist es heute eben so, das ohne Moos „nix los“ ist. Man hat zwar theoretisch alle Freiheiten aber praktisch nur, wenn man sie sich auch leisten kann.

  3. Antikapitalist said,

    Die CDU vertritt diejenigen, die es sich schon jetzt erlauben können, mehr „Freiheiten“ durch Kapital zu erwirken. Und dann will sie noch mehr?

    Wer von Freiheit spricht, der sollte genau definieren, welche Freiheiten er denn meint bzw. welche denn noch fehlen?

    Mir fällt da z.B. eine ein:
    Mt 30 Jahren studieren zu dürfen, dabei nur mittlere Reife zu besitzen, ohne Abi nachmachen zu müssen (mit 30 muss das ja nun nicht mehr sein).
    Aber nein, hier sieht ja die CDU die Freiheit der „wirklichen Anständigen“ Abiturienten, die eine wundervolle Kindheit in ihrer vor kaufkraftstrotzenden (Pseudo?)-Doktorenfamilie verbracht haben, in Gefahr. Viel schlimmer noch, man züchtet sich „im eigenen System“ auch noch die Konkurrenz heran – Nein, das darf einfach nicht sein!

    Nicht in Deutschland, meine werten lieben linken Genossen!

    Ich könnte hier noch endlos fortfahren und aufzählen, wo überall die CDU durch ihre politischen Fehleinschätzungen meine Freiheit etwas besser im Leben zu machen beschneidet.

    Wir leben in einer Demokratie, Fr. Lengsfeld. Das sollten Sie doch am besten Wissen, oder nicht?

    Die CDU in Berlin ist doch mit ihren Hasstiraden überhaupt nicht ernstzunehmen. Keine Konzepte, also wird gestänkert. Was für ein Kindergarten. Mir kann’s recht sein, Berlin ist ohne CDU auf jedenfall besser dran!


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: