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Die einzig glaubwürdige Antwort auf Gewalt ist die Ächtung jeder Gewalt

Posted in 1 von waehltvera - 15. Juli 2009

Der Bezirk Friedrichshain wird seit vergangenen Sonntag von einer Spirale links- und rechtsradikaler Gewalt heimgesucht. Es begann damit, dass rechtsradikale Jugendliche beim Verlassen der Disco „Jeton“ von Linksextremen wegen ihrer Kleidung angepöbelt und geschlagen wurden. Im Anschluss an diese Schlägerei misshandelten die Rechtsradikalen einen der Angreifer schwer. Besonders widerlich dabei ist das offensichtliche Nachäffen einer Filmszene aus „American History X“, wo das bereits wehrlose Opfer auf den Bordstein gelegt und mit Stiefeltritten auf den Kopf traktiert wird. Dass es sich bei dem Opfer um einen jungen Mann handelt, gegen den seinerseits wegen Körperverletzerbung ermittelt wird, macht die Tat nicht weniger scheußlich, wirft aber doch ein bezeichnendes Licht auf die Vorgänge insgesamt. Seit Monaten wird der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg von linksextremistischen Aktionen heimgesucht. Autos werden angezündet, Häuser mit Farbbeuteln und Pflastersteinen beschmissen, Polizisten mit Steinen, Flaschen oder gar Brandsätzen attackiert. Der Sachschaden geht inzwischen in die Millionen, hunderte Personen wurden verletzt. Dennoch gibt es bislang keine nennenswerte Initiative zur Ächtung von Gewalt jeder Art zur Durchsetzung politischer Interessen. Nicht von der Politik, nicht von der Bürgergesellschaft. Im Gegenteil. Zwar wurde die Gewalttat der Rechtsextremen verurteilt, es wurde aber viel weniger laut über die Vorgeschichte und das Nachspiel gesprochen. Gestern Abend wurde die Disco „Jeton“ Ziel eines massiven linksextremistischen Überfalls. Glücklicherweise gab es „nur“ Sachschäden. Weniger glimpflich kamen die Polizisten davon, die ebenfalls mit Steinen angegriffen wurden. Es gab etliche Verletzte. Schließlich wurde auch noch das in der Nähe befindliche Ringcenter in Mitleidenschaft gezogen. Mir ist keine Verurteilung dieses Überfalls bekannt. Für Sonntag ist bereits die nächste Runde der Gewalt angekündigt. Antifagruppen wollen für ein „weltoffenes und tolerantes Friedrichshain“ demonstrieren. Gute Idee, aber zu Weltoffenheit und Toleranz gehört, dass jeder wohnen kann, wie er will, das Auto fahren kann, das er möchte und die Kleidung trägt, die ihm gefällt. Wir brauchen keine selbsternannten Sittenwächter, die entscheiden, welche Häuser von wem bewohnt, welche Autos auf den Straßen gefahren und welche Kleidungsstücke getragen werden dürfen. Wer gewaltbereit ist, ist per se nicht tolerant. Insofern ist die Demonstration für „Toleranz“ von gewaltbereiten Antifas reine Demagogie. Wenig glaubwürdig sind auch Aufrufe gegen „rechte Gewalt“ , die linksradikale Gewalt links liegen lassen. Die einzige glaubhafte Antwort auf Gewalt ist die Ächtung jeder Gewalt, ganz gleich, von wem sie ausgeübt wird. Warum haben die vielen staatlichen Programme „gegen rechts“ bisher kaum etwas gebracht? Weil sie zu einseitig sind, um erfolgreich sein zu können. Wir brauchen Programme gegen jede Form extremistischer Gewalt, sei sie rechts, links oder islamistisch. Vor zwanzig Jahren hat die einfache Parole „Keine Gewalt“ ein bis an die Zähne bewaffnetes System erst zum Einsturz, dann zum Verschwinden gebracht.
Durch eine konsequente Ächtung von Gewalt kann es gelingen Friedrichshain-Kreuzberg von der Geißel der Gewalt zu befreien.

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7 Antworten to 'Die einzig glaubwürdige Antwort auf Gewalt ist die Ächtung jeder Gewalt'

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  1. Seit Jahren fördert der Berliner Senat mit viel Geld allerlei Gruppen und Grüppchen, einen ganzen Hofstaat an Klüngeln und Klientelvertretern, ein Netzwerk an professionellen Kämpfern, um gegen Rechtsextremismus und Rassismus, gegen Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung anzugehen. Der unschuldige Steuerzahler denkt sich: „Wo so viel Geld ausgegeben wird, muss es ja auch eine echte Bedrohung geben. Wir in Deutschland sind eine im Grunde rechtsextreme, rassistische, ausländerfeindliche und diskriminierende Gesellschaft.“ Aha.

    Niemand verstünde es, wenn soviel Geld zur Bekämpfung einer in Berlin nicht existierenden Bedrohung ausgegeben würde.

    Da umgekehrt kein Geld zur Bekämpfung erklärtermaßen linker Gewalt ausgegeben wird, kann es auch keine linke Gewalt geben. So einfach ist das. Das weiß doch jeder Steuerzahler. Das weiß doch jeder Lobbyist.

  2. gerda siemens said,

    was fuer ein quatsch.

    es war weithin zu lesen, dass es der ueberfall der „rechten“ auf die „linken“ (nennen wir sie einfach mal so) von krawallmachern genutzt wurde, weiteren krawall anzuzetteln.

    ebenso war zu lesen, dass gegen mitglieder beider „gruppen“ anzeigen erstattet wurden.

    im uebrigen sollte die autorin toleranz nicht mit ignoranz verwechseln. eindeutig dem rechtsradikalen spektrum zuzuordnende gehoert genausowenig auf unsere strassen wie vollverschleierte (inkl. handschuhe) frauen.

  3. waehltvera said,

    Eine eindeutige Ächtung aller Gewalt, gleich woher sie kommt, fordern die Mitarbeiter des Jeton! Lesen lohnt.

    http://www.jeton-berlin.de/stellungnahme.pdf

  4. Ivonne Wehrl said,

    Es scheint mir, dass wir nun lange über die Frage, was Toleranz und Ignoranz ist, streiten könnten – wenn ich den Kommentar von Gerda Siemens lese. Das scheint mir aber wegen der konträren Meinungen dazu, wenig zielführend. Ich bin dafür, dass wir die stille Akzeptanz von Gewalt nicht länger hinnehmen und denke, dass sich darauf auch ALLE Parteien und Interessengruppen einigen könnten. Und so finde ich richtig, was Vera Lengfeld sagt: Wir müssen Gewalt, jeglicher Art und Provenienz, konsequent ächten!
    Dabei ist aber die Bürgergesellschaft ebenso gefragt wie jeder Einzelne!

  5. X- berg said,

    Jene, die mit Gewalt und Rebellion handeln, mussten mit seltsamen Begleitern marschieren.
    ..finde ich in der Aussage sehr treffend.

  6. waehltvera said,

    Und wieder ein Mosaiksteinchen im Netzwerk der Gegen-Rechts-Beratung. Wundersames berichtet die Berliner Zeitung heute:

    „Die bundesweite Online-Beratung gegen Rechtsextremismus spürt wachsendes Interesse. Inzwischen erreicht die Berater im Schnitt täglich mindestens eine Anfrage. Das Projekt in Regie des Vereins «Gegen Vergessen – Für Demokratie» hatte vor gut einem Jahr begonnen und soll eine Lücke im Beratungsnetzwerk schließen. Denn viele Betroffene scheuen den öffentlichen Kontakt und setzen lieber auf Anonymität im Internet. «Wir erreichen jene Leute, die nicht in die Beratungsstellen kommen», sagte Mitarbeiter Martin Ziegenhagen am Freitag der dpa.“

    Es ist davon auszugehen, dass die Berater bezahlt werden und Tag um Tag vor ihren Bildschirmen sitzen. Bezahlt. Doch da – jeden Tag mindestens eine Anfrage! Toll! Warum nicht gleichzeitig auch Beratung gegen Linskextremismus? Dann würden jeden Tag gleich zwei Anfragen kommen! Toll, toll, toll!

  7. waehltvera said,

    Berliner Zeitung, 7. Mai 2008:

    „Der Senat hat sich gestern auf eine neue Landeskonzeption gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus verständigt, um die Opfer besser zu schützen und die Aufklärung zu verstärken. Einen Schwerpunkt bildet künftig der Kampf gegen Antisemitismus unter Migranten, so Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke). Pro Jahr stellt der Senat 1,8 Millionen Euro für Programme gegen Rechtsextremismus bereit.“

    Na wunderbar! Und wieviel gegen Linksextremismus? Wieviel gegen Extremismus? Wieviel gegen politische Gewalt überhaupt?


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