Waehltverablog


War Deutschland nie geteilt?

Posted in Allgemein von waehltvera - 24. Juni 2009

Bereits 2006  schrieb Vera Lengsfeld in ihrem Buch Neustart:  „Der Mythos von der angeblichen Revolution, die in Folge die Bundesrepublik demokratischer, offener und toleranter gemacht haben soll, ist die entscheidende verhängnisvolle Lebenslüge der Meinungseliten der alten Bundesrepublik.“

Schlägt man heute beliebige Zeitungen von links bis rechts auf, so muss man Vera Lengsfeld zustimmen. Obwohl sie damals nicht wissen konnte, wie sehr sie im Jahr 2009 durch fast wöchentliche neue Enthüllungen bestätigt würde. Was geschah damals? Der Historiker Hubertus Knabe entfaltet heute in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf S. 7 das dichte Gewebe an personellen, finanziellen und programmatischen Verknüpfungen, mit denen bereits seit den 50er Jahren das Ministerium für Staatssicherheit in der Bundesrepublik und Berlin (West) ein Milieu heranzüchtete, auf dem dann die spätere 68er-Bewegung erblühen konnte. Eines der Zentren dieser Unterwanderung war die Zeitschrift Konkret, die 1955 auf geheimen Beschluss der FDJ gegründet wurde. Konkret wurde maßgeblich durch die DDR finanziert und gesteuert. Klaus Rainer Röhl, selbst ein regelmäßiger Zuträger der DDR-Behörden, fungierte lange Jahre als Chefredakteur.

Was Knabe heute nicht noch einmal berichtet, ist weithin bekannt: Ab 1959 arbeitete auch Ulrike Meinhof als Journalistin bei Konkret, wurde Lebensgefährtin von Röhl und später auch Chefredakteurin. Sie, die namengebend bei der Gründung der Terrororganisation RAF beteiligt war,  stand also mittelbar über lange Jahre ebenfalls im Dienst der DDR. Dies erklärt wiederum, warum mehrere Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) in den 70er Jahren so problemlos in der DDR untertauchen und mit geänderter Identität weiterleben konnten. Die RAF war offenkundig von Anfang an eine gesamtdeutsche Terrororganisation.

„Einflussnahme auf politische Richtung, Formierung der Führung“ – das waren die vertraulich niedergelegten Grundsätze, mit denen die Westberliner und westdeutsche Studentenbewegung zielgerichtet unterwandert wurde. Die „Volksverhetzung durch die Springer-Presse“ war das Hauptargument für die „Enteignet-Springer“-Kampagne.

„Zu den Mythen der Achtundsechziger gehört, erst die Studentenbewegten hätten die Nazi-Vergangenheit erforscht, die zwischen 1945 und 1968 durch Globke, Kiesinger und die anderen immer nur verdrängt und verleugnet worden sei. Diese Legende ist, unter anderem durch die wesentlich späteren Forschungen von Götz Aly, widerlegt worden.“

Birthler-Behörde: Warum wurde Kurras so spät enttarnt? – Debatten – Feuilleton – FAZ.NET.

So schreibt Mechthild Küpper heute auf S. 31 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie liefert Gründe, weshalb der Neugierde bei der Aufarbeitung enge Grenzen gesetzt worden sind: Allzu viele Menschen und Institutionen waren beteiligt an den Verdunkelungsaktionen, darunter die Berliner Polizei, die Bundestagsfraktionen, die Stasi-Unterlagen-Behörde selbst. Küpper betätigt sich als Prophetin:  „Skandal für Skandal werden die Akten in den nächsten Jahren den Westdeutschen die Stasi als Projekt gesamtdeutscher Geschichtsschreibung näherbringen.“

Knapp, doch nicht falsch titelt heute die Berliner Zeitung auf S. 1: „Polizei unterschlägt Stasi-Wissen.“ Forschungsvorhaben zur Unterwanderung der Polizei sind abgebrochen worden, Erkenntnisse sind nicht veröffentlicht worden. Dieter Glietsch, der amtierende Berliner Polizeipräsident, beklagt sich: „Warum hat die Bundesbeauftragte die Berliner Polizei nicht informiert?“

Markus Wolf brüstete sich einst damit, die Stasi habe „in Fraktionsstärke“ im Bonner Bundestag gesessen. Kopfschüttelnd wird sich der unbedarfte Blogger fragen: „Wie steht es mit der Teilung Deutschlands? War Deutschland nie geteilt?“

Im Augenblick bliebt nichts anderes, als die Zug um Zug eher widerwillig herausgegebenen Befunde wie ein Puzzle zusammenzusetzen. In der Hoffnung, irgendwann möge sich ein Gesamtbild ergeben. Immer nur verdrängen und verleugnen – dieses Rezept wird nicht aufgehen können.

Prophetinnen und Wahrsager  – noch habt ihr freies Feld!

Beitrag von Johannes Hampel

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