Waehltverablog


Freiheit der Andersdenkenden: Petra Pau würdigt Vera Lengsfeld in Israel

Posted in Allgemein von waehltvera - 24. Juni 2009

Den grundlegenden Beitrag, den Bürgerrechtler wie Vera Lengsfeld im Jahr 1988 am Rande des Liebknecht-Luxemburg-Gedenkmarsches zur Demaskierung des demokratischen Sozialismus leisteten, würdigte Petra Pau von der Partei Die Linke bei einer Tagung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Israel.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung berichtet über das dem „Vermächtnis Rosa Luxemburgs für deutsche und israelische Linke“ gewidmete Symposium, welches im März 2009 stattfand und auf große Resonanz stieß:

„Dov Khenin schloss sich Petra Pau an mit aktuellen und durchaus brisanten „Gedanken zur ‚Freiheit durch Sozialismus’“. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags und Abgeordnete der Partei DIE LINKE verdeutlichte den israelischen Zuhörern eindrucksvoll, welchen Stellenwert das bekannte Motto Rosa Luxemburgs „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ für die „politische Wende“ in der DDR besessen hatte. Bürgerrechtler hätten 1988 am Rande des alljährlich offiziell begangenen Gedenkens für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg mit diesem Zitat demonstriert und – so Pau – dem Land „einen Spiegel vorgehalten. Zum Vorschein kam ein autoritärer Obrigkeitsstaat. … Die Freiheit des Einzelnen wurde der ‚großen Sache’ geopfert.“ Aus ihrer Perspektive auf zweieinhalb Gesellschaftssysteme – den real existierenden Sozialismus, den real existierenden Kapitalismus und die so genannte Wendezeit – schlussfolgerte die Politikerin, dass Freiheit immer die „Freiheit der anders Lebenden“ sei – eine Botschaft, die umfassend weder in der Bundesrepublik noch im Staat Israel umgesetzt ist und ob ihrer Aktualität nichts zu wünschen übrig lässt.“

RLS: Spurensuche: Rosa Luxemburg im historischen Palästina und heutigen Israel.

Das wähltverablog erläutert: Das bekannte Zitat Rosa Luxemburgs meinte bekanntlich, dass in der Diktatur des Proletariats alle, die sich den historischen Gesetzmäßigkeiten unterwürfen, ihren Beitrag zum tätigen Aufbau des Sozialismus verwirklichen dürften. Rosa Luxemburg rechtfertigte 1917 den Massenterror Lenins gegen bürgerliche Kräfte und gegen das Lumpenproletariat. Sie rechtfertigte die Massenerschießungen, mit denen die Bolschewiki ihren Staatsstreich gegen die Mehrheit der gewählten Volksvertreter festigten.  Sie protestierte jedoch in vertraulichen Mitteilungen gegen die Leninschen Hinrichtungskommandos, denen andere linke Parteien in Russland, etwa die Sozialdemokraten und die Sozialrevolutionäre, zum Opfer fielen. Rosa Luxemburg war mit der Zerschlagung der durch die russische Februar-Revolution errichteten parlamentarischen Demokratie durch Lenin einverstanden und arbeitete 1919 mit aller Kraft im Leninschen Sinne an der gewaltsamen Zerschlagung der Weimarer Republik. Dabei setzte sie sowohl auf den bewaffneten Aufstand wie auch auf die Sprengung der parlamentarischen Demokratie von innen her. In ihren Schriften erarbeitete sie beispielhaft den Gedanken der Unterwanderung, der Unterhöhlung der demokratischen Institutionen. Das MfS hat die Luxemburgschen Ideen einer Zersetzung des Klassenfeindes von innen her geradezu meisterhaft umgesetzt.

Die Luxemburgschen Vorstellungen einer Vielfalt der Meinungen, eines Existenzrechts der andersdenkenden Sozialisten unter Anerkennung des Vorrangs der Partei der Diktatur des Proletariats wurden vorbildlich in der DDR umgesetzt, denn es gab mehrere Parteien, die sich dem wissenschaftlich begründeten Vorrang der SED nach massivem Terror – endlich einsichtig geworden – fügten.

Zu recht berief sich die DDR auf das stolze Erbe Rosa Luxemburgs und ehrte sie durch jährliche Gedenkfeiern. Die versuchte Zusammenrottung, deren sich Vera Lengsfeld schuldig machte,  wurde 1988 vor Gericht als strafbare Unterstellung gewertet, so als habe es in der DDR keine volle Meinungsfreiheit im Sinne Rosa Luxemburgs gegeben. Rosa Luxemburg wäre mit der Verhaftung Vera Lengsfelds und anderer zersetzender Abweichler einverstanden gewesen.

Einen Beleg dafür, weshalb die Freiheit der anders Lebenden weder in der Bundesrepublik noch in Israel umfassend verwirklicht sei, konnte Petra Pau ausweislich des Berichts der Rosa-Luxemburg-Stiftung nicht beibringen. Man sollte sie hier in Deutschland darum bitten.

Advertisements

2 Antworten to 'Freiheit der Andersdenkenden: Petra Pau würdigt Vera Lengsfeld in Israel'

Subscribe to comments with RSS oder TrackBack to 'Freiheit der Andersdenkenden: Petra Pau würdigt Vera Lengsfeld in Israel'.

  1. Rainer Brandt said,

    „Rosa Luxemburg wäre mit der Verhaftung Vera Lengsfelds und anderer zersetzender Abweichler einverstanden gewesen.“ Macht es Spaß, Leichen zu fleddern?
    Rainer Bandt


  2. Verehrter Rainer Brandt,

    na endlich lässt sich jemand durch einige bewusst zugespitzte Aussagen aus der Reserve locken, danke!

    Aber ich darf Sie beruhigen: Oh nein, ich fleddere keine Leichen, das haben die feigen Mordbuben der nationalistischen Rechten im Jahr 1919 schon hinlänglich getan. Im Gegenteil: Durch das sorgfältige Studium dieser Klassikerin des demokratischen Sozialismus erweise ich ihr die Ehre, die andere ihr versagen, welche Luxemburgs Werke, in kleine Bruchstückchen zerfleddert oder in seminartaugliche Appetithäppchen zerlegt, in den Fußboden des Rosa-Luxemburg-Platzes eingegossen haben.

    Das mutige Eintreten Luxemburgs gegen den zwischenstaatlichen Krieg und für die Rechte der Frauen findet meine Bewunderung. Ihre maßlose Agitation gegen die Sozialdemokratie, ihr Kampf für die gewaltsame Zerstörung der Weimarer Republik, ihre Billigung des Massenterrors der Bolschewiki, ihre Unterstützung Lenins findet meine schärfste Ablehnung. Dazu stehe ich.

    Man kann weder die Schriften Luxemburgs noch die Weltgeschichte als eine Art Schlachteplatte verwenden, wo man nur manche Würstchen wegnimmt und andere verschmäht. Dies ist übrigens ein Bild, das von Luxemburg selbst stammt.

    Lesen Sie bitte die Glossen Luxemburgs in der „Roten Fahne“. Lernen Sie diese faszinierende Frau aus ihren Schriften kennen.

    Ich habe Rosa Luxemburg, diese bewundernswerte, beeindruckende, unermüdlich für den demokratischen Sozialismus kämpfende Frau ausführlich gelesen – im ungekürzten Original. Man sollte sie lesen, ebenso wie man Benito Mussolini, Lenin, Giovanni Gentile, Carl Schmitt, Adolf Hitler und Stalin in ihren ungekürzten originalen Schriften weiterhin lesen sollte. Man wird dann viele, sehr viele Überraschungen erleben.

    Ich vertrete die Meinung, dass Rosa Luxemburg wegen mangelnder Text- und Geschichtskenntnisse heute weithin falsch eingeschätzt wird, auch bei der heutigen Linken. Bezeichnend war für mich die Äußerung eines Zuhörers aus Westdeutschland bei der Diskussion zwischen Halina Wawzyniak und Vera Lengsfeld im Café „Sybille“. Er sagte: „Ich komme von der westdeutschen DKP, habe aber keine Zeile von Rosa Luxemburg gelesen. Und ich finde es toll, dass man sich hier so offen und fair austauscht.“

    Mir gefiel damals auch, dass Halina Wawzyniak sich klar und eindeutig von dem allüberall wabernden Kult um Luxemburg distanzierte: „Wir brauchen in der Demokratie keine Heiligen.“

    Also – lassen Sie uns der schmählich ermordeten Rosa Luxemburg, den etwa 400 anderen Opfern politischer Morde in der Weimarer Republik, und auch den Millionen und Abermillionen Ermordeter, die der von Luxemburg unterstützte Kommunismus und der deutsche Nationalsozialismus verursacht haben, die Ehre erweisen, die ihnen gebührt!

    Die Toten mahnen uns.

    Beste Grüße

    Johannes Hampel


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: