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Staatsbegräbnis für Rosa?

Posted in Allgemein von waehltvera - 2. Juni 2009

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Das Bild zeigt den Landwehrkanal, in den rechtsradikale Extremisten die Leiche Rosa Luxemburgs warfen. Gregor Gysi sieht nun laut Berliner Kurier „Bundespräsident, Bundesregierung und die Linke als Partei in der Verantwortung, eine würdige Beerdigung in der Gedenkstätte der Sozialisten zu organisieren“, wenn es sich bei der jetzt hervorgeholten Leiche um Rosa Luxemburg handle. Hat Gysi recht?

Was die Verantwortung der Linkspartei angeht, so ist Gysi zuzustimmen: Die so überreich ausgestattete Linke ist die umbenannte SED, die SED wiederum sah sich stets als stolze Nachfolgerin der von Luxemburg mitbegründeten KPD. Luxemburg erfreut sich innerhalb der SED bzw. der Linkspartei größter Verehrung, wie die jährlichen Wallfahrten und Kranzniederlegungen für „Karl und Rosa“ bis zum heutigen Tage beweisen. Denn die DDR hat Luxemburgs Idee des demokratischen Sozialismus verwirklicht. SED, Stasi und Linkspartei können sich mit vollem Recht auf  Luxemburg berufen.

Diese unverbrüchliche dialektische Einheit zwischen Idee und Wirklichkeit sollte man sich durch zersetzendes Gerede utopischer Abweichlerinnen, bisher „habe es noch keinen demokratischen Sozialismus gegeben“ (so etwa Halina Wawzyniak), nicht zerreden lassen! Rosa Luxemburg wäre auf ihre legitimen Erben und Schüler, auf SED und Stasi zu Recht stolz gewesen! Auch in der westdeutschen, von der DDR machtvoll unterstützten Roten Armee Fraktion (RAF) und der Bewegung 2. Juni war Rosa Luxemburg hochangesehen, die in Westdeutschland verteilten Flugblätter der Jahre 1967ff. sind gespickt mit wörtlichen Zitaten aus Luxemburgs Schriften.

Sollte aber die Bundesrepublik Deutschland Luxemburg durch ein Staatsbegräbnis ehren? Nein und nochmals nein! Luxemburg sprach sich mit größter Schärfe zeit ihres Lebens gegen die parlamentarische Demokratie aus. Sie arbeitete für den bewaffneten Aufstand gegen die Weimarer Demokratie, sie schmähte das Parlament als ödes Bollwerk der Klassenherrschaft, das es von innen heraus zu sprengen gelte. Sie wäre entsetzt, wenn sie ausgerechnet durch eine parlamentarische Demokratie des von ihr so gehassten „bürgerlichen Typs“ geehrt würde!

Die Forderung Gregor Gysis nach einem Staatsbegräbnis für Rosa, die Vereinnahmung Rosa Luxemburgs für Ziele außerhalb der Diktatur des Proletariats  ist somit verwerflicher als eine Gotteslästerung, wie dies Heinz Kamnitzer bereits 1988 im Neuen Deutschland formulierte.  Sie kommt einer Schändung des Totengedenkens gleich.

Den unerschütterlichen DDR-Verehrern, den RAF-Kämpfern, den Genossen der Bewegung 2. Juni – ihnen gebührt die Ehre, der Leiche Rosa Luxemburgs eine würdige Ruhestätte zu bereiten. Sie haben das Luxemburgsche  Ideal einer gewaltsamen Zerstörung des Klassenstaates verfolgt. Sie setzten im Luxemburgischen Geiste ganz auf den revolutionären Kampf, auf Terror gegen die verhassten Vertreter eines verhassten Systems.

Das Volk der DDR hingegen wurde seiner von Rosa Luxemburg erkannten historischen Bestimmung nicht gerecht und sprengte das System, dessen vornehmste Patin eben diese Rosa Luxemburg war, im Jahr 1989 gewaltlos von innen heraus. Es hat sich deshalb in seiner übergroßen Mehrheit als des Erbes des Sozialismus unwürdig erwiesen.

Somit gilt: Das Land denen, die es bebauen – Rosa Luxemburg denen, die sie verehren!

Beitrag von Johannes Hampel

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