Waehltverablog


Neue Erkenntnisse zur Stasi unerwünscht

Posted in 1 von waehltvera - 27. Mai 2009

Fadenscheinig wirken die Begründungen, weshalb die Birthler-Behörde nicht routinemäßig auch westdeutsche und West-Berliner Behörden und staatliche Stellen durchleuchten sollte. “Keine neuen Erkenntnisse sind aufgetaucht” – solches oder ähnliches  hört man von maßgeblichen Vertretern der Ordnungskräfte, etwa vom Berliner Polizeipräsidenten. Ausgerechnet nach der Enttarnung Kurras’! Der Polizeipräsident wird heute in der Morgenpost so zitiert:

„Die möglichen Stasiverstrickungen einzelner, vermutlich aus Altersgründen ehemaliger Polizeibeamter ist meines Erachtens für die Berliner Polizei und ihre Arbeit heute ohne Bedeutung.” Alles ohne Bedeutung – wie auch die Entdeckung, dass Kurras ein Stasi-Agent war? Nein. Es ist doch klar, dass die Vertuschung und Verdunkelung im Kurras-Prozess viel abschreckender auf die jungen Leute gewirkt hat als die Erschießung Ohnesorgs selbst. Die offenkundige Wahrheitsvertuschung im Kurras-Prozess trieb die jungen Menschen in die Arme der Gegner dieses Staates. Auch der grüne Bundestagsabgeordnete und aktuelle Direktkandidat der Grünen, Ströbele, bezeichnet den Kurras-Prozess – nicht die Erschießung Benno Ohnesorgs – als entscheidend dafür, dass er, Ströbele, fortan diesen Staat, die Bundesrepublik Deutschland, ablehnte.

So berichtet heute die Süddeutsche Zeitung:

Das Kurras-Verfahren hat manchem jungen Menschen in jenen Jahren den Glauben an den Rechtsstaat genommen. Für den grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele, der damals im Prozess gemeinsam mit Otto Schily einer der Nebenkläger war, war die Behandlung des Falls Kurras durch Justiz und Politik der “Auslöser für die Ablehnung des Staates”. Durch Lektüre alter, verstaubter Prozessunterlagen, alter Prozessberichte und vor allem dank der Dokumentation des Autors Uwe Soukup über die Ereignisse des 2. Juni, lässt sich nachvollziehen, was damals vor allem die Jungen so erbitterte und nicht nur Ströbele zu Gegnern des Staates machte. Denn die Geschichte, die der Angeklagte Kurras im November 1967 vor Gericht erzählte, war eine Geschichte, die schon damals eigentlich niemand glaubte.

20 Jahre nach dem Ende der DDR ist es angezeigt, gründlicher nachzuforschen, ehe das ganze Problem der Stasi-Verstrickungen sich durch natürliches Ableben erledigt und Klarheit nicht mehr zu erwarten ist, weil zu viele Tatbeteiligte versterben. Auf dass auch ein Ströbele zu einem Befürworter dieses Staates werde! Beitrag von Johannes Hampel

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